Auf ein Wort mit ...
Christian Junker Sandra Wilms Andreas Rädel
Christian Junker
CEO HEBIE GROUP
Unser Ziel ist eine ganzheitlich-nachhaltige Entwicklung der Unternehmensgruppe
Was bedeutet Nachhaltigkeit oder besser Corporate Social Responsibility, kurz CSR, für dich und dein Unternehmen?
Wir wollen dazu beitragen, unser wirtschaftliches Handeln mit unserer sozialen und ökologischen Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden, der Gesellschaft und der Umwelt in Einklang zu bringen. Das versuchen wir mit unserer strategischen Ausrichtung schon immer, allerdings können wir noch mehr tun – wir müssen unseren Weg progressiver kommunizieren und mit gutem Beispiel vorangehen. Meine Wahrnehmung ist, dass der Einklang dieser Dimensionen in unserer Welt zunehmend verloren geht. Hier sehe ich neben der Politik auch die Unternehmen in der Verantwortung, das Füreinander in den Gesellschaften wieder zu stärken und das Bewusstsein für den Schutz unserer Lebensgrundlage, unserer Erde, zu schaffen.
Wir haben über Monate intensiv an diesem zweiten Nachhaltigkeitsbericht gearbeitet.
Welche Bedeutung hat der neue Bericht für das Unternehmen? Und was hat sich in den vergangenen Jahren schon getan?
Der Nachhaltigkeitsbericht ist ein strategisches Mittel, um gegenüber unseren Stakeholdern transparent zu machen, wie und woran wir arbeiten und ist gleichzeitig unser Instrument zur Steuerung des Unternehmens, speziell im Bereich CSR. Deshalb ist dieser Bericht so wichtig! Aufgrund der diversen Entwicklungen auf politischer Ebene haben wir uns intensiv mit den vielen Nachhaltigkeitsregularien auseinandergesetzt und darauf aufbauend eine Struktur für die strategische Umsetzung erarbeitet. Darüber hinaus zentralisieren wir Informationen und Daten zunehmend, um einen transparenten Blick über unsere Tätigkeiten zu bekommen.
Wie würdest du die vergangenen zwei Jahre für die HEBIE GROUP beschreiben?
Wir haben viele für uns zukunftsrelevante Themen angestoßen und auf den Weg gebracht, mussten uns aber der allgemein sehr herausfordernden Marktsituation fügen und konnten nicht die Fortschritte erreichen, die wir uns vorgenommen hatten. Aber auch das gehört zum Leben, und wir können es akzeptieren. Wir wissen, wohin wir wollen, das ist entscheidend! Und das in einer sehr schönen und zukunftsträchtigen Branche.
Wie nimmst du die Fahrradbranche und Geschäftspartner:innen zu Nachhaltigkeitsthemen wie z. B. den Einsatz alternativer Materialien oder Sekundärrohstoffe, die Begrenzung des Material- und Energieverbrauchs oder die Umsetzung von Klimaschutzzielen wahr? Wie ist die Entwicklung?
Ich sehe, dass das Thema Nachhaltigkeit in unserer Branche zunehmend an Bedeutung gewinnt, nicht zuletzt aufgrund der Entwicklungen in der Gesetzgebung. Das ist gut, zeigt mir aber auch, dass das differenziert zu betrachten ist.
Ein Teil der Unternehmen widmet sich der Nachhaltigkeit aus Überzeugung, und dazu zähle ich auch uns. Andere handeln, so wie ich das sehe, nach dem Prinzip „weil es sein muss“. Da liegt meiner Meinung nach nicht nur in unserer Branche, sondern generell viel Potenzial. Wenn die Unternehmen davon überzeugt sind, dass die Transformation zu einem nachhaltigen Unternehmen wichtig und zudem gewinnbringend sein kann, wird die Gesetzgebung eine untergeordnete Rolle spielen und wir werden schneller und innovativer in der Umsetzung sein.
Mir ist es besonders wichtig, dass wir in unserer Nachhaltigkeitsberichterstattung transparent und ehrlich sind – und zwar vor allem gegenüber den Konsument:innen. CEO HEBIE GROUP
Christian Junker
In Bezug auf die vorherige Frage: Welche Herausforderungen und Chancen siehst du für die nächsten Jahre?
Die große Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland, aber auch für Europa, sehe ich darin, die Transformation zu nachhaltigen Unternehmen als „Gamechanger“ zu begreifen. Nachhaltigkeit bietet in allen Bereichen, seien es Dienstleistungen, Prozesse oder Produkte, so viel Potenzial, zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu etablieren und damit eine Vorreiterrolle im globalen Wettbewerb einzunehmen. So wie es in Deutschland über Jahrzehnte der Maschinenbau oder die Automobilindustrie war/ist.
Welche Themen und strategischen Ziele dieses Nachhaltigkeitsberichts sind für dich in Zukunft besonders relevant? Was möchtest du hervorheben?
Mir ist es besonders wichtig, dass wir in unserer Nachhaltigkeitsberichterstattung transparent und ehrlich sind – und zwar vor allem gegenüber den Konsument:innen. Wir als Verbraucher:innen sollen wissen und verstehen, wie nachhaltig Unternehmen agieren und wie nachhaltig deren Produkte sind.
Es geht darum, gesamtgesellschaftlich ein nachhaltiges Bewusstsein zu fördern. Dafür benötigen wir Transparenz und Klarheit. Mein Lieblingsbeispiel sind die eingekauften Waren in Scope 3. Ein Großteil der Unternehmen führt das Material nicht in der CO2-Bilanz des Unternehmens oder der Produkte auf, da in der Argumentation – und das ist derzeit legitim – der Lieferant bzw. die Vorlieferanten für die CO2-Bilanzierung des Herstellungsprozesses des jeweiligen Materials verantwortlich sind. In Summe führt das dann dazu, dass für uns Verbraucher die emittierten Emissionen vom Rohstoff bis zur letzten Verarbeitungsstufe des Materials zum Endprodukt im gesamten B2B-Bereich intransparent bleiben. Das Material ist aber DER Emittent und das sollte jedem Konsumenten und jeder Konsumentin klar sein – bei uns im Unternehmen macht das Material ca. 90 Prozent der Emissionen aus!
Welche Rolle spielen in Zukunft vorgelagerte (Upstream) und nachgelagerte (Downstream) Wertschöpfungsketten bei der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen?
Für uns als Hersteller und Vertreiber von Anbaukomponenten am Fahrrad liegt der Schwerpunkt vor allem in der vorgelagerten Lieferkette, da wir einen schwer durchdringbaren Zugang zu den nachgelagerten Bereichen haben bzw. weil unsere Produkte in der Gesamtbetrachtung nicht relevant genug sind.
Zentrale Fragen sind, welche Materialien wir verwenden und woher wir sie beziehen. Im nachgelagerten Bereich wird der Fokus darauf liegen, Produkte möglichst langlebig zu gestalten und daran zu arbeiten, dass die Produkte reparierbar sind.
Zusammengefasst: Möglichst CO2-arme Produkte herstellen und anbieten, diese möglichst lange am Leben halten und bei Verschleißerscheinungen nicht das gesamte Produkt, sondern nur Teile davon austauschen.
Was wird in Zukunft entscheidend sein, um CSR in der Breite zu etablieren?
Wir müssen das Globalziel und die Bausteine auf dem Weg dorthin klar und transparent kommunizieren und unsere CSR-Tätigkeiten in unseren beruflichen Alltag integrieren. Das bedeutet beispielweise, dass die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Produktentwicklung ebenso selbstverständlich wird, wie die Planung der Verpackung eines Produkts heute.
Wofür setzt du dich persönlich ein? Was ist dir wichtig?
Ich bin ein werteorientierter Mensch, und das soll ein wesentliches Instrument für das Miteinander und unsere Führungskultur im Unternehmen darstellen. Vertrauen steht dabei für mich an erster Stelle. Wenn wir einander vertrauen und dieses Vertrauen aktiv fördern, schaffen wir die beste Möglichkeit, offen, ehrlich und ohne Vorbehalte miteinander umgehen zu können. Daraus ergibt sich unter anderem und vor allem, dass wir konstruktiv kritisch und verlässlich sind, die Umsetzungsgeschwindigkeit erhöhen, die Motivation fördern und bessere Ergebnisse erzielen.
Zentrale Fragen sind, welche Materialien wir verwenden und woher wir sie beziehen. Im nachgelagerten Bereich wird der Fokus darauf liegen, Produkte möglichst langlebig zu gestalten und daran zu arbeiten, dass die Produkte reparierbar sind. Zusammengefasst: Möglichst CO2-arme Produkte herstellen und anbieten, diese möglichst lange am Leben halten und bei Verschleißerscheinungen nicht das gesamte Produkt, sondern nur Teile davon austauschen.
Christian Junker
CEO HEBIE GROUP
Das Bewusstsein für den Umgang mit natürlichen und endlichen Ressourcen schärfen
Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?
Nachhaltigkeit ist ein Handlungskonzept, mit dem wir zukünftige und globale Entwicklungen proaktiv mitgestalten und unsere Lebensqualität auf diesem Planeten besser schützen können. Ich habe zwei erwachsene Kinder. Das allein ist schon Grund genug, das Bewusstsein für den Umgang mit natürlichen und endlichen Ressourcen zu schärfen und vernünftig zu konsumieren. Dabei sollten wir uns regelmäßig die planetaren Grenzen – aus Unternehmenssicht mit Blick auf die Wachstumsstrategie – vor Augen führen. Ich empfehle immer gerne die Teilnahme an „THE WEEK.“ Mit Freund:innen oder Arbeitskolleg:innen kommt man an drei Tagen gemeinsam über spezielle Filme und Dialoge zusammen, um die entscheidende Herausforderung unserer Zeit zu begreifen. Eine sehr hilfreiche Erfahrung. Die Vorteile nachhaltigen Handelns müssen für uns greifbar, spürbar und verständlich werden.
Vor fünf Jahren hast du dich auf den Nachhaltigkeitspfad gemacht. Und nebenberuflich ein Nachhaltigkeitsstudium draufgesetzt. Warum war das wichtig für dich?
Lebenslanges Lernen lebe ich tatsächlich und brauche hier und da dann auch mehr Tiefgang. Im Bereich Nachhaltigkeit zu arbeiten, ergibt für mich Sinn: Es ist ganzheitlich, anspruchsvoll und äußerst facettenreich. Ich habe 20 Jahre mit Freude Marketing und Kommunikation gemacht. Mir wurde klar, dass ein „Immer-so-weiter“ und „Immer-mehr-verkaufen“ auf Dauer nicht gut geht. Ich brauchte für mich ein neues Denken und zeitgemäße Strategien. Jetzt in der HEBIE GROUP genau dazu aktiv Hebel mit in Gang setzen zu können und zu dürfen (das Commitment der Geschäftsführung dafür ist vorhanden und entscheidend, um voranzukommen), nachhaltige Strategien mit zu entwickeln und die soziale und ökologische Transformation gemeinsam im Team voranzubringen, das füllt mich aus und macht mir großen Spaß.
Welche Herausforderungen siehst du dabei?
Geduld zu bewahren (lacht), aber vor allem, an aktuellen und dynamischen Entwicklungen dranzubleiben. Dazu gehört z. B., die EU-Regulatorik und nationale Gesetze pragmatisch und unternehmensspezifisch für uns einzuordnen. Der Green Deal, den es seit 2019 gibt, betrifft uns in Teilen. Die Anforderungen kommen seit Monaten wie aus einer Ketchup-Flasche aus ihm heraus – alles auf einmal! Andererseits dreht sich aktuell alles um die EU-Omnibus-Verordnung zur Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichtspflichten. Wieder mit weitreichenden Veränderungen. Es wird nicht langweilig! Ich versuche bei allem, einen positiven Blick zu bewahren und die Chancen für uns zu identifizieren. Wir lernen dadurch viel Neues, was uns bei der zukünftigen Entwicklung und eigenen Zielsetzung entlang der Wertschöpfungskette sehr helfen kann. Die Auseinandersetzung z. B. mit Supply Chain-Tools für mehr Transparenz in der Lieferkette, mit denen uns Kund:innen konfrontieren, bindet bei uns Ressourcen! Der Einsatz möglicher Technologien und Tools hilft uns aber wiederum selbst dabei, Daten sinnhaft zu nutzen und auszuwerten. Am besten, ohne Dateninseln zu schaffen! Das müssen wir für uns weiter prüfen, wie auch die Integration von Lösungen in Bezug auf das Nachhaltigkeitsmanagement (Stichwort „datengetriebene Lieferkette“) in vorhandene Systeme. So lassen sich zukünftig bessere und fundiertere Entscheidungen treffen. Wie zu CO2-Reduktionsmaßnahmen – besonders im Scope 3 Bereich, etwa der „Nachhaltigen Beschaffung“. Wir müssen Material- oder Verpackungsoptimierungen sowie betriebliche und effizienzsteigernde Maßnahmen vornehmen – alles auch im Sinne unserer Kund:innen. Die HEBIE GROUP ist schon seit ein paar Jahren auf einem gedeihlichen Weg, und auch mein Vorgänger Dirk Niermann hat dazu schon die eine oder andere Weiche gestellt.
Sandra Wilms
CSR Managerin
Das Ziel ist, im Unternehmen Verständigungsbrücken zu bauen und die interne Kommunikation zu verbessern. Das bedeutet, andere Abteilungen aktiv in Ideen, Ziele oder neue Gesetze einzubeziehen sowie gemeinsam an nachhaltigen Zielen zu arbeiten, denn in jeder Abteilung liegt ein Schatz an Erfahrung, Fachwissen und Potenzial. CSR Managerin
Sandra Wilms
Was ist für dich in der Praxis das Wichtigste für eine nachhaltige Transformation?
Das Ziel ist, im Unternehmen Verständigungsbrücken zu bauen und die interne Kommunikation zu verbessern. Das bedeutet, andere Abteilungen aktiv in Ideen, Ziele oder neue Gesetze einzubeziehen sowie gemeinsam an nachhaltigen Zielen zu arbeiten, denn in jeder Abteilung liegt ein Schatz an Erfahrung, Fachwissen und Potenzial. Es wäre schade, all dies nicht miteinander verknüpfen und zu einer Art Teamsport machen zu können. Und natürlich können neue Themen und Aufgaben neben dem Alltagsgeschäft auch zu Hektik führen. Das kennen wir alle. Darum ist es mir wichtig, Transparenz zu schaffen und lösungsorientiert zu handeln. Insbesondere das WARUM und die Ziele dahinter müssen allen im Unternehmen klar sein. Die soziale Transformation, ein vertrauensvoller Austausch mit internen Stakeholdern und Wissensaufbau sind meines Erachtens mit die wichtigsten Eckpfeiler zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Mit Sorgen oder Fragezeichen lässt sich nicht gut arbeiten. Wir schaffen das alles nur gemeinsam. Das ist übrigens auch das, was mir an meinem Job gefällt: die Dynamik, und dass wir weiterdenken und nach Lösungen im eigenen Raum der Möglichkeiten suchen müssen, die uns weiterbringen. Das bedeutet natürlich auch, auf Menschen im Umfeld und auf sich selbst besonders achtzugeben.
Welche Rolle spielen Netzwerke für dich?
Ich finde Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen und Peer-Learning in Branchen- oder Regionalnetzwerken absolut wichtig. Da gibt es zum Beispiel ZIV – Die Fahrradindustrie, ERFA-Kreis Circular Economy, efa – Effizienz Agentur NRW oder ÖKOPROFIT-Klub OWL. Auch die Zusammenarbeit mit Hochschulen, oder für mich persönlich auch mit der Peer School for Sustainability Development e. V., ist superwichtig. So kann ich im komplexen Nachhaltigkeitsdschungel den Überblick behalten, mein Wissen teilen und selbst erweitern. Letztendlich können unsere Nachhaltigkeitsziele, die schließlich auf die Unternehmensziele einzahlen sollen, im Unternehmen besser umgesetzt werden. Und ganz nebenbei leben wir das globale Nachhaltigkeitsziel SDG 17 mit dem Titel „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“.
Was steht in Zukunft im Bereich CSR an?
In den kommenden Jahren sollen unser/e Engagement, Erfahrungen und Entwicklungen stärker nach außen hin sichtbar werden: authentisch und nachvollziehbar, denn Kund:innen müssen informierte Produktentscheidungen treffen können. Über unsere HEBIE GROUP-Akademie werden den Mitarbeitenden unter anderem Weiterbildungen rund um Nachhaltigkeit angeboten. Eine super Chance, voneinander und miteinander zu lernen. Die Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsziele steht im Vordergrund. Sie sind unsere Leitplanken, die wir regelmäßig reflektieren und, wenn nötig, neu justieren. Dazu müssen wir mit unseren Stakeholdern noch mehr in den Austausch kommen. Wir möchten mehr Bewusstsein für unser CSR-Engagement und die Weiterentwicklung schaffen und an Möglichkeiten arbeiten, um die Beteiligung an nachhaltigen Projekten, Ideen oder Ehrenamt intern zu fördern. Im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung werden wir zukünftig den neuen VSME-Standard* für KMU nutzen, um unseren Geschäftspartner:innen noch gezielter ESG-Daten an die Hand zu geben. Auch Wissensaufbau zu KI wird wichtiger werden. Wie zur Unterstützung der Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft in allen Wertschöpfungsstufen oder zur sinnvollen Verknüpfung mit digitalen Produktpässen. Bei Effizienzsteigerungen müssen wiederum Rebound-Effekte vermieden werden.
Wofür setzt du dich persönlich ein?
Für Demokratiestärkung im Internet. Verschwörungserzählungen, Desinformation und Hassrede sind dort allgegenwärtig und dürfen nicht die Oberhand haben. Wir brauchen dazu Mut, Wissen und eine gute Debattenkultur, um uns dem entgegenzustellen.
*Freiwilliger Marktstandard, entwickelt von der European Financial Reporting Advisory Group, kurz EFRAG.
Die soziale Transformation, ein vertrauensvoller Austausch mit internen Stakeholdern und Wissensaufbau sind meines Erachtens mit die wichtigsten Eckpfeiler zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen.
Sandra Wilms
CSR Managerin
Andreas Rädel
Betriebscontrolling & Qualitätsmanagementbeauftragter
In vielfältige Tätigkeitsbereiche eingebunden
Was sind deine Aufgaben in der HEBIE GROUP?
Was macht dir daran Spaß und was schätzt du an deinem Unternehmensumfeld?
Durch meine Aufgabe als Betriebscontroller bin ich in vielfältige Tätigkeitsbereiche eingebunden. Einer der zentralen Schwerpunkte liegt in der Ermittlung von Produktions- und Energiekennzahlen. Als Qualitätsmanagementbeauftragter bin ich dafür verantwortlich, dass unser QM-System den Anforderungen der ISO 9001:2015 entspricht. Ich koordiniere die Arbeitssicherheit und überwache die Einhaltung sämtlicher gesetzlicher Vorschriften, die sich auf den Betrieb von Gebäuden, technischen Anlagen und die Beschäftigung von Mitarbeiter:innen beziehen. Die Instandhaltungsabteilung, die meinem Bereich zugeordnet ist, kümmert sich um die Pflege, Wartung und Kontrolle aller technischen Einrichtungen, einschließlich der entsprechenden Sicherheitseinrichtungen und Betriebsmittel. Als Mitglied des Produktionsteams arbeite ich aktiv an der Gestaltung der künftigen Ausrichtung und der strategischen Weiterentwicklung der Produktion mit. Und ich unterstütze den CSR-Arbeitskreis sowie die Abteilung CSR bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie der HEBIE GROUP. Durch die Vielfältigkeit meiner Aufgaben stehe ich in engem Kontakt mit allen Abteilungen. Unsere offene und familiäre Kommunikation trägt maßgeblich zu einem äußerst positiven Betriebsklima bei. Mir macht meine verantwortungsvolle Aufgabe Spaß und ich bin stolz, ein Teil der HEBIE GROUP zu sein!
Wie empfindest du die Entwicklung von CSR im Unternehmen in den vergangenen Jahren bis heute?
Der Bereich CSR hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Angefangen mit einer geteilten Stelle im Jahr 2021 haben wir seit 2023 eine Mitarbeiterin, die ausschließlich für das Thema CSR verantwortlich ist. Allein diese Tatsache zeigt die Ernsthaftigkeit und den Willen des Unternehmens, das Thema CSR weiter auszurollen.
Welchen Part übernimmst du bei der Erreichung nachhaltiger Ziele? Und welche Maßnahmen wurden in deinem Bereich schon umgesetzt? Die Erstellung der jährlichen CO2-Bilanz sowie der regelmäßige Austausch im Ökoteam und mit der CSR-Abteilung sind die wesentlichen innerbetrieblichen Tätigkeiten, die zur Erreichung nachhaltiger Ziele beitragen. Zusätzlich vertrete ich Hebie in Bielefeld seit 2024 als Mitglied im IHK-Umweltausschuss sowie seit 2011 im ÖKOPROFIT-Klub OWL. Teilnahmen an weiteren externen Nachhaltigkeitsveranstaltung ergänzen das Aufgabengebiet. Die umgesetzten Maßnahmen der letzten Jahre stehen im Zusammenhang mit intrinsisch motivierten Mitarbeiter:innen der HEBIE GROUP sowie der engen Zusammenarbeit mit der Firma B.A.U.M. Consult aus Hamm. 2019 haben wir uns zum Beispiel einem „CheckC – Nachhaltigkeitscheck“ auf Grundlage der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen unterzogen und somit die Grundlage und eine Perspektive geschaffen, wie das Unternehmen zum Erreichen der SDGs beitragen kann. Im Jahr 2021 haben wir uns dann am Standort Bielefeld sogar einem „CheckA – Klimawandelanpassung im Betrieb“ unterzogen, um die betrieblichen Risiken des globalen Klimawandels zu identifizieren und zu bewerten. Damit sind wir als Unternehmen aktiv in die Entwicklung von Maßnahmen eingestiegen, um den Folgen des Klimawandels resilienter und zukunftsfähiger entgegenzutreten. Der im Jahr 2022 in der HEBIE GROUP durchgeführte „CheckC – der Weg zum Klimamanagement“ hat uns als Ergebnis die erste CO2-Bilanzierung für das Jahr 2021 an den Standorten Bielefeld und Münster gebracht. Im Rahmen der ÖKOPROFIT®-Teilnahme in der Regiopolregion Bielefeld haben wir uns bereits dreimal zertifizieren lassen. All das hat unter anderem die Grundlagen für unser heutiges Handeln geschaffen.
Der Bereich CSR hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Angefangen mit einer geteilten Stelle im Jahr 2021 haben wir seit 2023 eine Mitarbeiterin, die ausschließlich für das Thema CSR verantwortlich ist. Allein diese Tatsache zeigt die Ernsthaftigkeit und den Willen des Unternehmens, das Thema CSR weiter auszurollen. Betriebscontrolling & Qualitätsmanagementbeauftragter
Andreas Rädel
Welche Klimaziele hat sich die HEBIE GROUP entlang Scope 1, 2 und 3 gesetzt? Und wie wird das gemessen?
In Scope 1 haben wir das Ziel, bis 2029 die Emissionen um 25 Prozent zu reduzieren. Scope 1 betrifft aktuell das zur Wärmeerzeugung eingesetzte Erdgas bei tubus sowie den gesamten Fuhrpark der HEBIE GROUP. Der aktuelle Gasvertrag läuft noch bis Ende 2026. Nach Rücksprache mit den Stadtwerken Münster können diese derzeit noch kein Ökögas anbieten. Sie arbeiten daran und werden uns informieren, sobald es möglich ist. Der Vertrag kann dann angepasst werden. Beim Fuhrpark planen wir eine schrittweise Umstellung auf E-Mobilität. Hier werden wir zunächst ein Konzept erarbeiten. In Scope 2 haben wir das Ziel, bis 2025 die Emissionen um 55 Prozent zu reduzieren. Scope 2 betrifft aktuell den eingekauften Strom bei tubus sowie die zur Wärmeerzeugung eingesetzte Fernwärme bei Hebie. Im Bereich Scope 3 haben wir das Ziel, bis 2029 die Emissionen um fünf Prozent zu reduzieren. Die mit Abstand größte Emissionsquelle mit über 90 Prozent Anteil an den gesamten CO2-Emissionen in der HEBIE GROUP ist der Bereich „Scope 3.1 Eingekaufte Ware“. Einkauf und CSR haben hierzu strategische Ziele hinterlegt. Die prozentuale Reduzierung bezieht sich auf Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr.
Welche Maßnahmen werden in Zukunft ergriffen, um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren?
Wir schauen uns alle Emittenten in Scope 1, 2 und 3 an. Die mit Abstand größte Emissionsquelle mit über 90 Prozent Anteil an den gesamten CO2-Emissionen in der HEBIE GROUP ist wie gesagt der Bereich „Scope 3.1 Eingekaufte Ware“. Hier sind strategische Ziele hinterlegt, wie z. B. die Erarbeitung von Richtlinien zur Entwicklung nachhaltiger Produkte sowie die Bestandsaufnahme und Analyse der Transportverpackungen der HEBIE GROUP mit dem Ziel der Reduktion von Transportverpackungen.
Welche Herausforderungen siehst du in deinem Bereich?
Die Ermittlung des Product Carbon Footprint (PCF) sowie die Implementierung in das ERP werden die nächsten Meilensteine sein. Das Konzeptpapier dazu steht – wir sind aktuell in der Umsetzungsphase. Bei der Bewertung der CO2-Bilanz möchten wir Transparenz schaffen. Absolut gesehen haben wir 2023 die CO2-Emissionen gegenüber 2022 um mehr als 50 Prozent reduziert, was den Eindruck einer sehr erfolgreichen Nachhaltigkeitsentwicklung erweckt. Dem ist aber nicht so. Wir haben zwar Maßnahmen erfolgreich umgesetzt und auf den Weg gebracht, aber die aktuelle Marktlage führt dazu, dass weniger verkauft, weniger produziert und somit auch vorgelagert weniger eingekauft wird. Das führt zwangsläufig zu geringeren Emissionen, gerade bezogen auf „Scope 3.1 Eingekaufte Ware“. Dieser Effekt wird leider von Unternehmen in vielen Branchen ausgenutzt und als nachhaltiger Unternehmenserfolg dargestellt – Stichwort „Greenwashing“. Wir wollen transparent und ehrlich sein. Wir werden eine relative Kennzahl ermitteln, die in Abhängigkeit von betriebswirtschaftlichen Unternehmensdaten und -leistungen steht.
Wie wird Fahrradmobilität in der HEBIE GROUP gefördert? Was braucht es aus deiner Sicht in Zukunft noch dazu?
Die Rahmenbedingungen wie Radparkplatz, Radgarage mit entsprechendem Equipment sowie Jobrad-Angebot existieren bereits. Eine Mobilitätsumfrage für 2024 wurde gemacht und soll weitere Erkenntnisse bringen. Der Benefit des Verkehrsmittels Fahrrad sollte stärker dargestellt und im Vergleich zu Pkw oder ÖPNV in Euro ausgewiesen werden. Mehrwert sichtbar machen! Best Practice-Veranstaltungen mit Erfahrungsberichten von Kollegen:innen, die dauerhaft das Rad zur Arbeit nutzen, unterstützen zusätzlich das Ziel einer nachhaltigen Mobilität. Eine weitere Idee wäre die aktive Bewerbung von Mietangeboten für Fahrräder oder E-Rollern.
Die Stärkung des Ehrenamts. Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Man übernimmt soziale Verantwortung und hat die Chance, etwas zu bewegen und nachhaltig zu verändern. Ich selbst bin ehrenamtlich im Sport aktiv und als ausgebildeter Stadtführer in meiner Heimatstadt unterwegs – natürlich mit dem Fahrrad :-).